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  #1  
Alt 05.04.2018, 13:03
Udo Beier Udo Beier ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 23.01.2007
Beiträge: 1.380
Ausrufezeichen Kaltwasserpaddeln im April

Ahoi!

Der NDR ruft am Wochenende zum Grillen auf, was letztlich auch darauf hindeutet, dass bei prognostizierten ca. +20° C Lufttemperaturen im Inland mit akzeptablen Gewässerbedingungen an der Küste zu rechnen ist. Jetzt müssten nur noch der Wind (Stärke/Richtung/Fetch) stimmen und die Wassertemperaturen:

Nordsee-Wassertemperaturen: Spiekeroog (6.4.18): +6 bis +7° C
http://www.bsh.de/aktdat/bm/Spiekeroog.htm

Ostsee-Wassertemperaturen: Rerik/Halbinsel Wustrow (6.4.18): +4 bis +5° C
http://www.bsh.de/aktdat/bm/Rerik.htm

Aber das allein reicht nicht, um aufs Meer hinaus zu paddeln. Wir sollten nicht nur seetüchtig (inkl. „Bomb-proof-Roll!“), sondern auch so gekleidet sein, dass uns eine Kenterung ins kalte Wasser nicht ausknockt!

Seenotalarm zu Ostersamstag

Oder soll es uns etwa so ergehen, wie jene 4 Einer-Kajakfahrer (zwischen 20 und 52 Jahren), die Ostersamstag, also vor gerade mal 5 Tagen, vom Salzhaff aus kommend um ca. 13 Uhr bei 4 Bft. NO-Wind im Windschutz der Halbinsel Wustrow/Rerik Richtung Poel paddelten und ca. eine halbe Stunde später im Gat zwischen Insel Poel und Halbinsel Wustrow auf 6-7 Bft. Wind und recht raue Gewässerbedingungen stießen:

https://www.seenotretter.de/aktuelle...us-dem-wasser/ (DGzRS-Bericht)

https://www.windfinder.com/#13/54.0402/11.4950 (Kartenausschnitt)

Die Folgen: 2 Kanuten kenterten. Einer trieb ans Ufer, der andere trieb im ca. 2-3° C kalten Seegang zwischen Poel und Wustrow. Die Rolle klappte wohl nicht und der Wiedereinstieg mit Hilfe eines Partners auch nicht. Die beiden noch in ihren Kajaks sitzenden Kanuten sahen wohl keine Möglichkeit, ihren Kameraden zu helfen bzw. schon vom Wasser aus den Seenotfall auszurufen. So entschlossen sie sich, die beiden Mitpaddler zurückzulassen (ca. 1 km südwestlich des Sandhakens „Kieler Ort“), um ans nahe Land zu paddeln und Hilfe zu alarmieren.

Anscheinend wurde zunächst die (Wasserschutz-)Polizei informiert. Die wandte sich um 13.40 Uhr an die Seenotleitung in Bremen (Tel. 0421-53687-0), die wiederum die Seenotretter in Timmendorf auf Poel und Kühlungsborn alarmierten. Weiterhin eilte ein Polizeiboot, ein Hubschrauber und die Feuerwehr (um das nahe Ufer abzusuchen) herbei.

Schließlich wurde der immer noch im Wasser treibende Kanute entdeckt, wie er sich am Bug seines Kajaks festhielt. Trotz „Nassneoprenanzug“ war er soweit unterkühlt, „dass er nicht (mehr) ansprechbar war und die Seenotretter ihn nur schwer von seinem Boot lösen konnten.“ Auch war er „so verkrampft, dass er sich zunächst nicht aus seiner Haltung mit angezogenen Knien lösen konnte.“

Fazit

Kenterungen bei Wassertemperaturen von unter +10°C sind immer mit Lebensgefahr verbunden. Da Kenterungen nie 100 %ig auszuschließen sind, sollte derjenige, der es dennoch wagt, bei solchen Bedingungen entlang der Küste zu paddeln, zumindest:
  • Paddeln können, und zwar auch bei brechendem Seegang; d.h. die Beherrschung der flachen und hohen Paddelstütze ist unabdingbar (=> Brandungsübungen)!
  • die Rolle beherrschen, d.h. die Beherrschung der (Partner-)Wiedereinstiegsmethoden allein genügt bei solchen Kaltwasserbedingungen nicht!
  • entsprechend gegen Kaltwasser geschützt sein, dazu gehört möglichst Trockenanzug mit 200er Polarfleece und Füßlingen; Neo-Kopfhaube, Paddelpfötchen!
  • in der Lage sein, den Seenotalarm auszulösen, was voraussetzt, dass er über die wichtigsten Seenotsignalmittel griffbereit Zugang hat und auch bei rauem Seegang bedienen kann!
Grundsätzlich sollten wir uns bewusst sein, dass die Auswirkungen von kalten Wasser auf unsere Handlungsfähigkeiten und „Überlebensfähigkeiten“ nicht immer kalkulierbar sind. Wer dennoch bei solchen Wassertemperaturen auf Küstentour geht, der sollte das nicht solo tun und dann auch nur bei „unschwierigen“ Bedingungen, also höchstens bis 3 Bft. Wind paddeln und darauf verzichten, durch bewusstes Kentern unter Beweis zu stellen, wie fit er eigentlich ist. Die Sommersaison ist lang genug, um seine „Kentertüchtigkeit“ zu trainieren!

Gruß aus Hamburg:
__________________
Udo Beier
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