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  #1  
Alt 21.03.2013, 13:54
Udo Beier Udo Beier ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 23.01.2007
Beiträge: 1.346
Frage Brandungsübungen im Flachwasser-Hallenbad

Ahoi!

Ein Hallenbad ist multifunktionell nutzbar. Das wissen wir Kanuten schon seit langem. Hier haben viele von uns ihren ersten Unterwasserausstieg geübt und danach die Rolle …....

Irgendwann kamen dann die Seekajaks auf … und damit auch die Rettungsübungen im Hallenbad, angefangen beim Üben der Eskimo-Rettung, der T-Lenzmethode, der V- bzw. Parallel-Wiedereinstiegsmethode, des „Kajakschwimmens“ und last not least der Rolle im eigenen Seekajak.

Mangels Welle, denn ein „Flachwasser“-Hallenbad ist nun mal kein Wellenbad, musste bislang jedoch auf Brandungsübungen im Hallenbad verzichtet werden.

10 Schritte zum Seitwärtssurfen im Flachwasser-Hallenbad

Anlässlich des „Workshop Küstenkanuwandern“ (16./17.3.13) hatte ich mir daher mal etwas ausgedacht, wie einzelne Übungseinheiten des Brandungspaddeln, und zwar das Seitwärtssurfen und natürlich auch das Kentern, dennoch in einem Flachwasser-Hallenbad im wahrsten Sinne des Wortes „durchgezogen“ werden können.

Voraussetzungen für Brandungsübungen im Flachwasser-(Hallen-)Bad: Wir benötigen dafür ein leeres Schwimmbecken, d.h. das Wasser bleibt im Becken, aber alle Seekajaks werden bis auf eines aus dem Becken geholt, zumindest ganz dicht am Beckenrand platziert.

Dann wird Folgendes unternommen:

1. Es wird jeweils an Bug und Heck eines Seekajaks ein –zig Meter langes Seil verknotet.
  • Die beiden Seile sollten etwa eine halbe Beckenbreite plus 5 m lang sein.
  • Ist an einem Ende der beiden Seile ein Karabinerhaken verknotet, ersparen wir uns beim Wechsel der Seekajaks die Verknoterei, sofern jeder Kanute in seinem eigenen Seekajak üben will.
2. Das mit Seilen verbundene Seekajak wird am schmaleren Beckenrand ins Wasser gelassen.

3. Am jeweils gegenüberliegen Beckenrad stehen je zwei kräftige Leute, die jeweils ein Seilende in ihren Händen halten.

4. Ein Kanute setzt sich in die Sitzluke des Seekajaks.
  • Es ist vorteilhaft, wenn der Kanute weiß, wie flach und hoch gestützt bzw. gerollt wird und dass bei den nachfolgenden Übung Kenterungen sehr wahrscheinlich sind.
5. Bereit zum Seitwärtssurf („Seilsurf“): Der Kanute wird darauf hingewiesen, dass beim Losziehen der 4 Leute sein Seekajak quer über die Wasseroberfläche gezogen wird und er sich in Richtung des abfließenden Wassers neigen (=> kanten) und dabei flach bzw. hoch Stützen muss.
  • Damit wird der Seitwärtssurf in der Brandung simuliert, bei dem sich ein Brecher dem Seekajak nähert und es seitwärts mitnimmt (= Seitwärtssurf).
Und dann geht es richtig los:

6. Üben der Paddelstütze: Auf Zuruf ziehen die 4 Leute das Seekajak seitwärts durch das Schwimmbecken, während der im Seekajak sitzende Kanute versucht, in Richtung des abfließenden Wassers zu kanten und mit der flachen oder hohen Stützen die Balance zu halten.
  • Kantet der Kanute zu stark, kann er mit Hilfe der Paddelstütze die Neigung korrigieren, kantet er zu wenig, wird sein Seekajak von der „Strömung“ sofort in Fahrtrichtung gedreht und er kentert.
  • Übrigens, bei Kanuten, die noch nicht perfekt stützen können, sollte das Seekajak zunächst etwas langsamer über das Wasser gezogen werden, damit er merkt, welche „Balancehilfe“ ihm seine Paddelstütze bietet.
7. Erleben einer Kenterung: Kenterungen sind bei diesen „Seilsurf“-Bedingungen unausweichlich, weil der Kanute erst einmal das Gefühl dafür bekommen muss, wie weit er zum abfließendem Wasser hin kanten muss.
  • Wenn der Kanute es kann, sollte er nach der Kenterung sofort versuchen, hoch zu rollen (s. Schritt 10.).
  • Wenn er nicht rollen kann oder nicht weiß, wie er bei diesen Strömungsbedingungen hoch rollen muss, dann wartet er am besten bis die Strömung nachlässt (d.h. der Brecher vorbei gerauscht ist) und rollt erst dann hoch bis steigt aus, bevor es wieder beginnt zu strömen (d.h. der nächste Brecher angerauscht kommt).
8. „Seilsurfen“ auf beiden Seiten: Wenn das Ende des Schwimmbeckens erreicht ist, wir der Kanute mit seinem Seekajak wieder zurückgezogen, damit er das Kanten & Stützen auf beiden Seiten üben und das Kentern auf beiden Seiten erleben kann.

9. Üben der flachen und anschließend der hohen Paddelstütze: Wenn beim ersten Durchgang die flache Paddelstütze geübt wurde, ist beim nächsten Durchgang die hohe Paddelstütze dran.

10. Rollübungen: Und anschließend ist das gezielte Rollen zu üben.
  • Dabei sollte uns bewusst sein, dass wir nur im abfließenden Wasser – also zum Brecher hin - hoch rollen können, aber niemals gegen die Fahrtrichtung.
  • Zwei Roll-Varianten können dabei geübt werden:
  • (a) Das Eintauchen in Fahrt-/Surfrichtung: Das entspricht in der Brandung das Abtauchen weg vom Brecher. Die Strömung lässt uns dabei samt unseres Seekajaks um die Längsachse unseres Seekajaks drehen. Klappt unsere Rolle, tauchen wir nach eine 360°-Drehung auf der Seite des Brechers wieder auf.
  • (b) Das Eintauchen entgegen der Fahrt-/Surfrichtung: Das entspricht in der Brandung das Abtauchen hin zum anrauschenden Brecher. D.h. wir schmeißen uns hin zum Brecher ins Wasser und rollen spätestens nach einer 180° Drehung auf derselben Seite wieder hoch.
  • Als Rolle bietet sich dabei nicht die Bogenschlagrolle, sondern die Stützschlagrolle (CC-Rolle) an; denn wenn wir beim Seitwärtssurf kentern, liegen wir wegen der Fahrt über Wasser nicht senkrecht (180°) unter unserem Seekajak, sondern nur schräg (ca. 135°) in Richtung des abfließenden Wassers. Wir brauchen daher auf der Seite des abfließenden Wassers nur unser Paddel hoch halten (im rechten Winkel zum Seekajak), um uns dann wie bei einem etwas zu „tief“ geratenen hohen Paddelstützschlag aus dem Wasser zu ziehen bzw. von der Strömung an die Wasseroberfläche treiben zu lassen.
  • Übrigens, beim Hochrollen ist darauf zu achten, dass wir uns nicht völlig gerade aufrichten (0°-Stellung); denn dann werden wir vom strömenden Wasser sofort wieder in Fahrtrichtung gedreht & gekentert. D.h. wir dürfen beim Rollen im Seitwärtssurf bzw. „Seilsurf“ nicht ganz hoch rollen, sondern müssen bei Erreichen einer bestimmten Körperneigung (ca. 20° - 70°-Stellung zur Wasseroberfläche) - die abhängig ist von der Geschwindigkeit des Seitwärtssurf und dem Druck des Brechers – den Rollvogang abstoppen und stattdessen in der flachen oder hohen Stütz-Stellung verharren, und zwar solange, bis der Surf beendet ist.
Anmerkungen zum Seitwärtssurfen:

Mit den folgenden Problemen hat der Kanute beim Seitwärtssurf zu kämpfen.
  • Sowohl der Druck der des über ihn spülende Brechers als auch der Druck des unter dem Seekajak abfließenden Wassers können dazu beitragen, dass das Seekajak des Kanuten sich sofort in Fahrtrichtung des Seitwärtssurf – also weg vom Brecher – dreht und folglich kentert.
  • Um eine solche Kenterung zu verhindern, muss der Kanute ganz kurz, unmittelbar bevor der Seitwärtssurf beginnt, sich zum Brecher hin neigen (=> kanten).
  • Beschränkt gilt das auch für die Übung im Hallenbad. Dort gibt es wohl keinen Brecher, aber der Seitwärtssurf kann durch das Ziehen der 4 Leute an den beiden Seilen simuliert werden („Seilsurfen“), wobei die Fahrtrichtung beim „Seilsurfen“ jene ist, wohin das Seekajak gezogen wird. Der Kanute muss folglich mit seinem Seekajak weg zur Fahrtrichtung kanten, und zwar in Richtung des abfließenden Wassers, also genau in jene Richtung aus der auf dem Meer der Brecher kommt.
  • Da der Kanuten es zunächst lernen muss, die richtige Neigung zum Brecher bzw. zum abfließenden Wasser zu finden, die letztlich von der Kraft des anspülenden Brechers und der Geschwindigkeit des Seitwärtssurf abhängt, sollte der Kanute stärker als erforderlich in Richtung des abfließenden Wassers kanten. Der Einsatz der flachen bzw. hohen Paddelstütze verhindert dabei, dass der Kanute ins abfließende Wasser fällt & kentert. Übrigens, bei sehr schnellem Seitwärts- bzw. „Seilsurf“ ist es u.U. erforderlich, sich soweit in Richtung des abfließenden Wassers zu neigen, dass Kopf & Schulter auf der Wasseroberfläche liegen. Das gilt vor allem dann, wenn ein kopfhoher Brecher (ab 1 m) angespült kommt. Der Kanute schmeißt sich folglich - unmittelbar bevor der Brecher ihn überspült - in Richtung Brecher und hält dann zunächst mehr unter als über Wasser seine Position (=> „tiefe“ Paddelstütze), bis ihn der Brecher mitnimmt.
  • Am Ende des Seitwärtssurfs bzw. des „Seilsurfs“ verlangsamt sich die Geschwindigkeit, mit der der Kanute seitwärts über das Wasser surft. Wenn er nun nicht kentern will, muss er sich mit seinem Seekajak langsam wieder aufrichten, anderenfalls versinkt er – sofern er die Paddelstütze nicht beherrscht – auf jener Seite ins Wasser, wohin er kantet.
Vorwärtssurfen?

Das war’s. Jetzt kann der nächste Brecher kommen. Zumindest wissen wir, was wir beim Seitwärtssurfen machen müssen. Ob auch das Vorwärtssurfen (hier: Verhinderung des seitlichen Ausbrechens durch Burgruderschläge) in der Brandung im Hallenbad simuliert werden kann, muss mal ausprobiert werden. Vielleicht reicht es, wenn wir die beiden Seile zusammen am Heck des Seekajaks anbinden und dann das Seekajak so vor uns her schieben, dass der Kanute es nur mit Bugruderschlägen (Ziehschlägen) auf Kurs halten, d.h. vor dem Ausbrechen und Querschlagen bewahren kann!?

Walzentraining?

Am Ende dieser Hallenbadübungen kam übrigens eine Kanutin zu mir und meinte, dass sie solche „Seilübungen“ schon einmal mit WW-Kajaks auf einem See in Österreich gemacht hätte. Und zwar zogen im knietiefen Wasser zwei Leute an Seilen ein WW-Kajak quer über das Wasser, um mit dem im Kajak sitzenden Kanuten das Stützen in einer Walze zu üben bzw. um ihm das Gefühl zu vermitteln, wie schnell ein nicht von der Strömung weg gekantetes Kajak von der Strömung umgedreht und gekentert werden kann.

Gruß aus Hamburg:
__________________
Udo Beier

Geändert von Udo Beier (20.11.2017 um 18:50 Uhr)
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  #2  
Alt 27.03.2015, 20:44
Udo Beier Udo Beier ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 23.01.2007
Beiträge: 1.346
Cool Seitwärtssurfsimulation im Hallenbad

Ahoi!

Im März 2013 hatte ich im KANU-FORUM in dem Thread

„Brandungsübungen im Flachwasser-Hallenbad“

die Simulation des Seitwärtssurf im Seekajak bei Brandungsbedingungen vorgestellt (siehe Post #1).

Das Besondere dabei war, dass der Seitwärtssurf im Flachwasser-Hallenbad geübt wurde. Dabei wurde wegen der fehlenden Brandung im Hallenbad durch eine Seilzugtechnik der Seitwärtstransport des Seekajaks simuliert. Erreicht wurde das dadurch, dass das Seekajak mit Hilfe von an Bug und Heck befestigen Seilen von je 2 Leuten seitwärts durchs Hallenbadecken gezogen wurde.

Grundidee dieser Simulation ist das Üben der folgenden beim Seitwärtssurf benötigten Paddeltechniken, nämlich:
  • das im richtigen Winkel angesetzte Ankanten des Seekajaks hin zur brechenden Welle (im Hallenbad: hin zum ablaufenden Wasser).
  • die flache bzw. hohe Paddelstütze hin zur brechenden Welle (im Hallenbad: hin zum ablaufenden Wasser).
  • das Eskimotieren beim Seitwärtssurf weg von der brechenden Welle (im Hallenbad: weg vom ablaufenden Wasser).
Im Rahmen der „HKV-Sicherheitsübungen im Hallenbad“ (22.3.15) (organisiert von Jürgen Becker, Lehrwart des Hamburger Kanu-Verbands) wurde ich gebeten, diese Seitwärtssurfsimulationsübungen vorzustellen und mit insgesamt 20 Teilnehmern zu üben.

Ein Teilnehmer dieser Übungen, nämlich Andreas Michaliczak (Niederdeutsche Wanderpaddler - Hamburg), war so interessiert, dass er sich selber mit einer auf seinem Bug montierten Videokamera beim Seitwärtssurf und beim Rollen während des Seitwärtssurf filmte. Außerdem hat er aus der „Fischperspektive“ ein paar Seilzugdurchgänge gefilmt. Wen es interessiert, der kann sich das Video über die folgenden beiden Links in zwei verschiedenen Auflösungen von der Homepage des NW-Hamburg herunterladen:

http://kanutube.de/video/Seekajak-Si...82b65a7a040ffb

Übrigens, gleich zu Beginn des Videos sehen wir, wie Andreas beim Üben der flachen Paddelstütze gleichzeitig sein Seekajak ankantet … und diese dabei eingenommene Position beim anschließenden „Seilzug-Surf“ beibehält. Beim Rücktransport durchs Hallenbadbecken setzt er die hohe Paddelstütze ein.

Erwähnenswert ist, dass alle jene Kanutinnen und Kanuten, die Rollen konnten, nach entsprechender Anweisung problemlos Seitwärts surfen und rollen konnten. Aber auch die anderen Teilnehmer waren spätestens beim zweiten Durchgang in der Lage, zumindest eine Hallenbadpassage kenterfrei zu überstehen.

Gruß aus Hamburg:
__________________
Udo Beier

Geändert von Udo Beier (31.03.2015 um 18:43 Uhr) Grund: Link aktualisiert
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  #3  
Alt 29.03.2015, 16:22
Chillosaurus Chillosaurus ist offline
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Beiträge: 1.126
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Zitat:
Zitat von Udo Beier (DKV) Beitrag anzeigen
[...]
10 Schritte zum Seitwärtssurfen im Flachwasser-Hallenbad

Anlässlich des „Workshop Küstenkanuwandern“ (16./17.3.13) hatte ich mir daher mal etwas ausgedacht, wie einzelne Übungseinheiten des Brandungspaddeln, und zwar das Seitwärtssurfen und natürlich auch das Kentern, dennoch in einem Flachwasser-Hallenbad im wahrsten Sinne des Wortes „durchgezogen“ werden können.
Schön, dass du deine Erfahrungen teilst. Ich habe das auch schon 'mal gemacht. Es reicht in der Regel auch einfach ein zweites Boot zum ziehen (wobei ich bei Seejakaks mir nicht sicher bin). Da benötigt man also nichteinmal ein Hallenbad für.
Zitat:
[*]Übrigens, bei Kanuten, die noch nicht perfekt stützen können, sollte das Seekajak zunächst etwas langsamer über das Wasser gezogen werden, damit er merkt, welche „Balancehilfe“ ihm seine Paddelstütze bietet

9. Üben der flachen und anschließend der hohen Paddelstütze: Wenn beim ersten Durchgang die flache Paddelstütze geübt wurde, ist beim nächsten Durchgang die hohe Paddelstütze dran.
Eigentlich will man ja ohne Paddelstütze auskommen.
Vorher festzulegen mit welcher Seite des Paddels, würde ich nicht machen. Letztendlich ist die Paddelstütze ein Behelfsschlag, um schlimmeres zu vermeiden oder eine Kontrollierte Fahrt zu gewährleisten. Damit hängt auch die richtige Technik von der Situation ab. Das muss der Paddler selber kennenlernen.

Zitat:
[*]Dabei sollte uns bewusst sein, dass wir nur im abfließenden Wasser – also zum Brecher hin - hoch rollen können, aber niemals gegen die Fahrtrichtung.
Das stimmt in der Natur so meistens nicht.
Zitat:
[*]Um eine solche Kenterung zu verhindern, muss der Kanute ganz kurz, unmittelbar bevor der Seitwärtssurf beginnt, sich zum Brecher hin neigen (=> kanten).
Die Formulierung ist irreführend und wird leider von viel zu vielen Instruktoren so benutzt. I.d.R. reicht es die Hüfte auf der Strömungsseite anzuheben.

Zitat:
Übrigens, bei sehr schnellem Seitwärts- bzw. „Seilsurf“ ist es u.U. erforderlich, sich soweit in Richtung des abfließenden Wassers zu neigen, dass Kopf & Schulter auf der Wasseroberfläche liegen.
Nein. Es ist stets ausreichend das Boot nur soweit zu kanten, dass kein Wasser auf das Deck drückt. Wer mehr Kanten kann dadurch nur ein höheres Drehmoment erreichen und wird schnell instabil.

Zitat:

Walzentraining?

Am Ende dieser Hallenbadübungen kam übrigens eine Kanutin zu mir und meinte, dass sie solche „Seilübungen“ schon einmal mit WW-Kajaks auf einem See in Österreich gemacht hätte. Und zwar zogen im knietiefen Wasser zwei Leute an Seilen ein WW-Kajak quer über das Wasser, um mit dem im Kajak sitzenden Kanuten das Stützen in einer Walze zu üben bzw. um ihm das Gefühl zu vermitteln, wie schnell ein nicht von der Strömung weg gekantetes Kajak von der Strömung umgedreht und gekentert werden kann.

Gruß aus Hamburg:
Kent Ford ging auch mit Schülern in kleine Walzen und hat sie beim Surfen festgehalten. (Nachmachen empfohlen.) Wichtig dabei ist, dass der Schüler kein Paddeln haben darf und der Lehrer einen guten Stand (und evtl. Schienbeinschoner) hat. Ansonsten ist es nicht mehr so sicher...
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  #4  
Alt 31.03.2015, 18:48
Udo Beier Udo Beier ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 23.01.2007
Beiträge: 1.346
Daumen hoch Seitwärtssurfsimulation auf KANU-TUBE

Ahoi!

Andreas Michaliczak hat sein "Selfie"-Video vom "Side-Surf" im Hallenbad bei KANU-TUBE abgespeichert:

http://kanutube.de/video/Seekajak-Si...82b65a7a040ffb

und dazu ein paar Erläuterungen zum Ablauf der Übungen hinzugefügt.

Gruß aus Hamburg:
__________________
Udo Beier

Geändert von Udo Beier (01.04.2015 um 09:31 Uhr)
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  #5  
Alt 02.04.2015, 20:20
Udo Beier Udo Beier ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 23.01.2007
Beiträge: 1.346
Ausrufezeichen Stützen & Kanten beim Seitwärtssurf

Ahoi!

Im KANU-FORUM trägt Chillosaurus ein paar Einwände zur von mir vorgestellten:

„Brandungs-Seitwärtssurf-Simulation“ per Seilzug im Hallenbad

vor (siehe hierzu Post #3). Auf zwei seiner Einwände möchte ich hier eingehen, und zwar:
  1. Beim Seitwärtssurf in der Brandung „will man eigentlich ohne Paddelstütze auskommen“!
  2. Beim Seitwärtssurf braucht man sich mit dem Oberkörper nicht hin zum Brecher zu neigen, „es reicht, die Hüfte auf der Strömungsseite (also der Seite, die dem Brecher abgewandt ist) anzuheben.“ D.h. „es ist stets ausreichend, das Boot nur soweit zu kanten, dass kein Wasser auf das Deck drückt.“
Bei den Erwiderungen auf diese Einwände sollte uns bewusst sein, dass es sich hier nicht um eine Art Seitwärtstransport auf einem fließenden Bach, sondern um den Seitwärtssurf in der Brandung handelt, bei dem ein Brecher einen Kanuten, der mit seinem Seekajak quer zur Welle liegt, seitwärts über die Wasseroberfläche treibt. Siehe hierzu das Video des Spaniers Xavi F., in dem eindrucksvoll neben dem Vorwärtssurf auch der Seitwärtssurf in der Brandungszone der Costa Brava demonstriert wird:

https://www.youtube.com/watch?v=Ej4uMv7lo2k

Immer zum Brecher hin stützen und neigen!?

Voraussetzung für das Gelingen des Seitwärtssurf ist:
  • der rechtzeitige Einsatz der flachen bzw. hohen Paddelstütze hin zur brechenden Welle, sofern diese das Potenzial dazu hat, den Kanuten samt Seekajak mit zu transportieren;
  • und die rechtzeitige und ausreichende Neigung des Kanuten und seines Seekajaks hin zur brechenden Welle, d.h. der Kanute muss seinen Oberkörper in Richtung Brecher neigen und dabei sein Seekajaks auf jener Seite hoch kanten, die dem Brecher abgewandt ist.
Drehmomente, die den Surfer kentern wollen

Um nun nachvollziehen zu können, ob – wie es Chillosaurus behauptet - es allein genügt, wenn der Kanute beim Seitwärtssurf sein Seekajak so auf der dem Brecher abgewandten Seite (=> Strömungsseite) hoch kantet, dass kein Wasser aufs Oberdeck drücken kann, sollte uns bewusst sein, dass beim Seitwärtssurf verschiedene Drehmomente auf das Seekajak einwirken, die allesamt dazu führen können, ein unbesetztes Seekajak über die Wasseroberfläche rollen zu lassen.

Diese Drehmomente werden genau dann von einem herannahenden Brecher ausgelöst, wenn dieser auf den quer zum Brecher paddelnden Kanuten trifft und ihn mit transportiert (=> vor sich her treibt!), und zwar solange bis der Brecher seine Kraft verloren hat und sich in Schaum auflöst.

Die folgenden zwei Drehmomente lassen sich beim Seitwärtssurf unterscheiden:
  1. jenes Drehmoment, das von den Wassermassen des heranrauschenden Brechers ausgeht, welches das Oberdeck des quer zum Brecher liegenden Seekajaks und den Oberkörper des aufrecht sitzenden Kanuten packt und versucht, zu jener Seite zu drehen und kentern zu lassen, die dem Brecher abgewandt ist (=> „Über-Wasser-Drehmoment“);
  2. das Drehmoment jenes Wassers, über das der Kanute vom Brecher getrieben wird und das aus seiner Sicht unter seinem Seekajak in Richtung Brecher strömt, dabei das Oberdeck (sofern nicht weg von der Strömung gekantet wird), zumindest aber das Unterwasserschiff, packt und versucht, es so umzudrehen, dass der Kanute weg vom Brecher kentert (=> „Unter-Wasser-Drehmoment“);
Alle beiden Drehmomente führen dazu, das Seekajak um die Längsachse rollen zu lassen. D.h. der Kanute kentert mit seinem Seekajak, wenn es ihm nicht gelingt, durch entsprechendes Verhalten die Drehkraft, die von diesen beiden Drehmomenten ausgeht, zu kompensieren (neutralisieren).

Kanten & Neigen

Versäumt der Kanute, beim Seitwärtssurf auf der Strömungsseite sein Seekajak hochzukanten, drückt das heranströmende Wasser so stark auf das Oberdeck, dass er sofort weg vom Brecher gedreht und gekentert wird.

Mit dem rechtzeitigen Hochkanten des Seekajaks auf der Seite, die dem Brecher abgewandt ist, gelingt es dem Kanuten nur, die Kraft des „Unter-Wasser-Drehmoments“ zu vermindern, nicht aber auszuschalten. D.h. die beiden Drehmomente bleiben auch weiterhin wirksam und das Hochkanten allein hilft dem Kanuten nicht, einer Kenterung vorzubeugen. Vielmehr muss er etwas Anderes tun, das diese beiden Drehmomente vollständig kompensiert.

Als Verhaltensmaßnahme kommt dabei allein die Neigung (Lehnen) des Kanuten und seines Seekajaks hin zum Brecher infrage; denn mit der Neigung des Oberkörper des Kanuten hin zum Brecher wird ein entgegenwirkendes Drehmoment aufgebaut, der das Seekajak genau in die entgegengesetzt Richtung dreht, in die die beiden anderen Drehmomente es zu drehen versuchen!

Ob die Neigung des Kanuten hin zum Brecher genügt, um das erste und zweite Drehmoment zu kompensieren, hängt von der Kraft ab, die von diesen beiden Drehmomenten ausgeht. Rauscht z.B. ein 2-3-Meter-Brecher heran, kann sich wahrscheinlich der Kanuten soweit zum Brecher neigen wie er will, ihm wird es sicherlich nicht gelingen, mit dem Drehmoment, das von seiner Körperneigung hin zum Brecher ausgeht, die Kraft, die von den beiden anderen Drehmomenten ausgeht, auszugleichen. Wahrscheinlich wird der Brecher den Kanuten mitnehmen und samt seines Seekajaks über die Wasseroberfläche rollen lassen.

Brandungserfahrungen

Die „Kunst“ des Brandungspaddeln besteht nun darin, als Kanute:
  • zu erkennen, bis zu welcher Brecherhöhe bzw. –geschwindigkeit er eine Chance hat, erfolgreich seitwärts zu surfen;
  • und zu erahnen, wie weit er sich hin zum Brecher legen muss, damit ihn die beiden Drehmomente nicht gleich in die andere Richtung drehen und kentern lassen.
Neigt der Kanute sich zu wenig hin zum Brecher, hat er schon „verloren“. Wenn der Kanute nicht vorher abschätzen kann, wie viel Drehmoment er mit seiner Körperneigung aufbauen muss, um die beiden anderen Drehmomente zu kompensieren, ist zu empfehlen, sich zunächst einmal maximal zum Brecher hin zu neigen (=> „90°-Stellung“). Dann besteht natürlich die Gefahr, dass ein unerfahrener Kanute, der die Paddelstütze noch nicht beherrscht, die Balance verliert und plötzlich zum Brecher hin im Wasser versinkt und kentert.

Ein Kanute aber, der Paddelstütze & Hüftknick beherrscht, der wird es schaffen, eine Kenterung hin zum Brecher zu vermeiden und mit Hilfe der Paddelstütze jene Körperneigung zu finden, bei der das Drehmoment, welches von seiner Körperneigung ausgeht, die beiden anderen Drehmoment kompensiert.

Seitwärtssurf: Anfang & Ende

Auf Folgendes hat der Kanute jedoch noch beim Seitwärtssurf zu achten:
  • Zu Beginn des Seitwärtssurfs muss der Kanute sich schon zum Brecher hin neigen, kurz bevor dieser ihn überspült; denn nur dann hat er eine Chance, vom Brecher nicht sofort gekentert zu werden.
  • Und am Ende der Surfphase, also wenn der Brecher an Kraft verliert und der Seitwärtssurf sich immer mehr verlangsamt, muss der Kanute sich langsam mit Hilfe von Paddelstütze & Hüftknick wieder aufrichten, wenn er nicht im Wasser versinken und kentern will.
Für einen geübten Brandungsfahrer ist das kein Problem; denn er richtet sich mit einem Druck aufs Paddelblatt bei gleichzeitigem Einsatz des Hüftknicks auf. Ein ungeübter Kanute aber, der in der einmal eingenommenen Körperneigung verharrt, dem könnte es passieren, dass er nach erfolgreichem Seitwärtssurf doch noch langsam aber sicher ins Wasser sinken wird, weil es ihm nicht gelingt, sich mit Hilfe der Paddelstütze zurück auf die aufrechte Sitzposition zu drehen.

Fazit:
  1. Beim Seitwärtssurf in der Brandung ist es wichtig, dass der Kanute sich und sein Seekajak rechtzeitig zunächst möglichst weit hin zum Brecher neigt.
  2. Während des Seitwärtssurfen balanciert der Kanute mit Hilfe der flachen oder hohen Paddelstütze seine Körperneigung soweit aus, dass er immer etwas Druck auf das stützende Paddelblatt hat.
  3. Vergisst er jedoch dabei, sein Seekajak hin zur Strömungsseite hoch zu kanten, verursacht das auf das Oberdeck strömende Wasser solch ein starkes Drehmoment, dass der Kanute – egal was er tut – sofort weg vom Brecher kentern wird.
  4. Und verpasst er es, sich rechtzeitig zum Brecher hin zu neigen, lassen die beiden Drehmomente, die zum einen vom anrauschenden Wasser des Brechers und zum anderen von dem unter dem surfenden Seekajak entlang strömenden Wassers erzeugt werden, den Kanuten sofort weg vom Brecher drehen und kentern.
  5. Beim Seitwärtssurf kann nicht gegen diese beiden Drehmoment hoch gerollt werden, d.h. wir müssen immer zum Brecher hin eskimotieren.
Ostergruß aus Hamburg:
__________________
Udo Beier
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  #6  
Alt 14.01.2016, 11:37
hnoor77 hnoor77 ist offline
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Registriert seit: 13.01.2016
Beiträge: 2
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Und zwar zogen im knietiefen Wasser zwei Leute an Seilen ein WW-Kajak quer über das Wasser, um mit dem im Kajak sitzenden Kanuten das Stützen in einer Walze zu üben bzw.



_____________
NOOR
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