DKV-Kanu-Forum  

Forum


Sie sind nicht eingeloggt!
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich.


Schnellauswahl


» Ankündigungen
» Kanu-Neuigkeiten
» Feedback & Hilfe
» Paddler-Treff
» Kanuwandern
» Faltboot
» Canadier
» Wildwasser
» Küste
» Ausrüstung
» Sicherheit
» Ausbildung & Training
» Reisen, Routen & Reviere
» Umwelt & Gewässer
» Sonstige Kanu-Themen
» Kanu-Rennsport
» Kanu-Slalom
» WW-Rennsport
» Kanu-Polo
» Kanu-Drachenboot
» Kanu-Freestyle
» Kanu-Marathon
» Outrigger-Canoe





Kontakt

» Foren Regeln
» Haftungsausschluss
» Impressum
» Team
» DKV



Zurück   DKV-Kanu-Forum > Kanu-Freizeitsport > Küste

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
  #1  
Alt 06.02.2013, 12:34
Udo Beier Udo Beier ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 23.01.2007
Beiträge: 1.399
Reden Brandungspaddeln

Ahoi!

Die Beherrschung unseres Seekajaks beim Paddeln in der Brandung ist eine wichtige Voraussetzung für das unbeschwerte Küstenkanuwandern. Wenn wir wissen, wie in der Brandung zu paddeln ist, brauchen wir uns nicht mehr so viele Gedanken darüber machen, was ist, wenn der Wind zunimmt und die Gewässerbedingungen kritischer werden, vorausgesetzt wird sind ansonsten seetüchtig.

Im Folgenden soll für küstenkanuwanderbegeisterte Leseratten vorgestellt werden, durch was Brandung erzeugt wird und wann welche Brandungsbedingungen vorliegen. Anschließend sollen die Probleme aufgezeigt werden, mit denen wir konfrontiert werden, wenn wir durch Brandung hinaus aufs Meer starten wollen.

Brandungsbedingungen

Brandung kann entstehen durch:

1) Windsee: Sie wird vom aktuellen Wind erzeugt. Es rollt dann in steter Regelmäßigkeit und dicht hintereinander eine Welle nach der anderen Richtung Strand. Wenn die Wassertiefe abnimmt, beginnen sich die Wellen aufzusteilen und schließlich zu brechen.

Windsee ist vorhersehbar und berechenbar und Wassertiefen auch. Die Windsee wird von der Windstärke (ab 3-4 Bft. Wind beginnt die Brandung schwieriger zu werden) der Windwirkdauer und dem Windwirklänge (Fetch) bestimmt. Sie beginnt sich aufzusteilen und anschließend zu brechen, wenn die Wassertiefe die halbe Wellenlänge unterschreitet. Schon wenn wir im ablandigen Bereich z.B. einer Insel bzw. Landzunge paddeln, sollte uns bewusst sein, dass wir im auflandigen Bereich der Insel bzw. Landzunge mit Brandungsbedingungen zu rechnen haben.

2) Dünung: Es handelt sich hierbei um die Windsee vergangener Tage, deren Wellen große Strecken überwinden können und langsam auslaufen. Sie rollt in mehr oder weniger großen Abständen in Gruppen an den Strand, wobei die Höhe der Dünung wechselt, d.h. nach einer Serie höherer Dünung folgt eine Serie niedrigerer Dünung. Dazwischen liegen immer wieder mehr oder weniger kurz anhaltende Phasen, während denen keine Dünung einläuft.

Dünung ist für uns Küstenkanuwanderer nur bedingt vorhersehbar und – zumindest an Nord-/Ostsee - kaum berechenbar; denn der Seewetterbericht der Nord- und Ostsee weist nicht explizit auf die Dünung hin. Er nennt lediglich die Höhe der Windsee. Wir müssen daher entsprechend vorsichtig unsere Tour entlang eines Küstenstreifens planen. Liegt vor einer solchen Küste eine z.B. über 500 km lange Wasserfläche und herrschten die Tage vorher stärkere Winde die über diese Wasserfläche Richtung unseres Küstenstreifens wehten, kann Dünung nicht ausgeschlossen werden, auch wenn momentan Flaute herrscht. Bevor wir entlang eines solchen Küstenabschnitts paddeln, ist daher schon von weitem zu prüfen, ob dort Dünung anrollt und ob die dabei erzeugte Brandung bzw. Grundsee von jedem Mitpaddler auch beherrscht werden kann. Wenn wir unsicher sind, sollten wir beim Eingang in den Dünungsbereich anlanden, um von einem erhöhten Standpunkt aus die Gewässerbedingungen zu beobachten und abzuschätzen.

Brandung beeinflusst in starkem Maße die Gewässerschwierigkeiten. Diese sind abhängig:
  • von der Höhe der Windsee bzw. Dünung,
  • ob die Brandung zugleich auf Windsee und Dünung zurückzuführen ist,
  • und ob Windsee und Dünung aus unterschiedlicher Richtung angeweht bzw. gerollt kommen.
Je mehr dieser Bedingungen zutreffen, desto mehr haben wir mit dem Seegang zu „kämpfen“. Der letzte Punkt macht sich jedoch direkt am Strand nicht so sehr bemerkbar, denn dort laufen die Wellen stets parallel zum Strand an. Aber schon etwas weiter draußen können wir ein Gemisch aus Windsee und Dünung erleben, welches zu besonders unruhigem und unberechenbarem Seegang führen kann (=> Kreuzsee).

Die Brandungsverhältnisse werden auch vom Meeresuntergrund gestimmt:

1) Steilküste: Trifft die Windsee bzw. Dünung auf eine Steilküste, brandet es erst kurz vorm Kliff/Steilhang. Freiwillig sollten wir in diese Zone nur bei „Ententeichbedingungen“ hinein paddeln. Wer bei kritischem Seegang als Kenterbruder dort mit seinem Seekajak hineintreibt, wird auf den Fels geschleudert und befindet sich in Lebensgefahr.

Wer zu wenig Abstand zu diesen Brechern hält, gerät in die von der Steilküste reflektierten Brecher, u.U. genau dann, wenn diese auf den nächsten anrollenden Brecher treffen. Beim Zusammenklatschen der beiden Wellen, wird das Wasser senkrecht in die Luft geschleudert (=> Klapotis). Kein Küstenkanuwanderer kann dann mehr sicher sein, solch ein Seegang ohne Kenterung zu überstehen.

Aber auch der, der genügend Abstand hält, wird mit dem Seegang zu kämpfen haben; denn dort laufen nämlich z.B. nicht nur aus unterschiedlichen Richtung Windsee & Dünung Richtung Steilküste (=> Kreuzsee), sondern quasi als Schwierigkeitsgradsteigerung wird dieses Wellengemisch sofort wieder von der Steilküste reflektiert (=> reflektierende Kreuzsee).

2) Felsküste: Liegt eine Felsküste vor uns, also ein Gemenge an Felsen, die nicht nur den Strand voll bedecken, sondern auch überall im Wasser und unter Wasser verteilt sind, dann ist Anlanden nur bei wenig Seegang (z.B. Flaute bzw. ablandigem Wind) oder hinter größeren Felsklötzen bzw. in verwinkelten Buchten möglich. Je größer der Seegang wird, desto besser müssen wir in der Lage sein, unser Seekajak punktgenau zu steuern, wenn wir in solchen Bereichen paddeln bzw. gar anlanden wollen.

Grundsätzlich ist für einen erfahrenen Küstenkanuwanderer eine solche Felsenküste ein aufregendes Revier, denn in allen Richtungen werden von den unzähligen Felshindernissen die anrollenden Wellen reflektiert. Zusätzlich explodiert dazwischen immer mal wieder das Wasser, weil sich über einer nicht sichtbaren Untiefe aufbäumen (=> Grundsee). Diese Grundseen entstehen aber nicht zufällig und unerwartet; denn wer das Wasser vor sich beobachtet, wird feststellen, dass sich an bestimmten Stellen nicht ständig, aber öfters Grundseen bilden. Bei der aktuellen Routenplanung durch einen solchen Felsengarten (=> rock hopping) sollten wird daher solche Stellen unbedingt umfahren.

3) Steiler Sandstrand: Handelt es sich bei dem vor einem liegenden Küstenabschnitt um einen steilen Sandstrand, bildet sich ungünstigstenfalls nur ein einziger Brecher. Das bedeutet, dass die ganze Kraft, die in der anrollenden Welle steckt, von einem einzigen Brecher freigesetzt wird (=> Dumper). Gerät ein Faltboot in einen solchen Brecher, würde es von den Wassermassen zerdrückt werden. Bei einem Plastik-Seekajak könnte die Spritzdecke aufgerissen und die Sitzluke mit einem Sand-Wasser-Gemisch gefüllt werden.

Ein kontrolliertes Starten bzw. Anlanden ist bei solchen Dumperbedingungen nicht möglich. I.d.R. schlägt sowohl beim Starten als auch beim Anlanden das Seekajak sofort quert und kullert dann samt Kenterbruder mit jedem Brecher den Strand hoch und runter, bis dass Dritte einen aus dieser miesen Lage befreien. Versucht der Kanute sich aus dieser Lage selber zu befreien, ist nicht auszuschließen, dass er vom eigenen Seekajak umgehauen und überrollt wird sowie anschließend vom Rücksog des Brechers zurück ins Wasser gespült wird!?

4) Flacher Sandstrand: Läuft der Strand flach aus, rollen i.d.R. mehrere und immer kleiner werdende Brecher Richtung Strand, d.h. die Kraft der anrollenden Welle verteilt sich auf mehrere kleinere und daher weniger wuchtige Brecher. Beim letzten Brecher vor dem Strand schwappt das Wasser schließlich weiß aufschäumend mehr oder weniger weit den Strand hoch. Anschließen fließt das Wasser mit großem Sog wieder solange zurück, bis es auf das Wasser des nächsten Brechers trifft.

Wenn ein Starten & Anlanden in der Brandung möglich ist, dann bei flach auslaufenden Stränden … aber wann beginnt der Übergang zum steilen Strand? Letztlich hängt es von der Höhe und der Wucht der Brecher, aber auch von der Geschicklichkeit, Kraft und Glück ab, ob einem die Befahrung gelingt.

Übrigens, je nachdem wie flach der Strand ins Meer hinaus läuft und ob unterwegs Sandbänke sich bilden (=> Untiefen), können sich mehrere Brandungsketten bilden, die es als Küstenkanuwanderer gilt, hintereinander durchzupaddeln, sofern er nicht bereit ist, parallel zwischen zwei Brandungsketten am nahen Strand entlang zu paddeln. (Fortsetzung folgt)

Gruß aus Hamburg:
__________________
Udo Beier

Geändert von Udo Beier (15.02.2013 um 17:18 Uhr)
Mit Zitat antworten
  #2  
Alt 09.02.2013, 12:44
Udo Beier Udo Beier ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 23.01.2007
Beiträge: 1.399
Ausrufezeichen Solo-Start durch die Brandung

Ahoi!

Solo gestartet werden kann auf mehrfache Weise, z.B. per

1. Rampenstart: Wir legen unser Seekajak parallel zur „Rampe“ (hier: Steg, Böschung, Felsen, Hafenmauer) und steigen mehr oder weniger geschickt bzw. elegant ein, ohne dabei zu kentern, letztlich um zu verhindern, dass wir beim Einsteigen nass werden.

2. Nassstart: Wir tragen bzw. ziehen das Seekajak ins knietiefe Wasser, positionieren es zwischen unsere Beine und setzen uns in die Sitzluke, bevor wir unsere Beine dann nachziehen, letztlich um zu verhindern, dass das Unterwasserschiff durch Grundberührung verkratzt wird.

3. Hangstart: Wir legen das Seekajak an einem Hang (hier: Felsen, Böschung) ab, schließen die Spritzdecke und rutschen den Hang hinunter ins Wasser.
=> www.youtube.com/watch?v=HbkXw5RcL9Y (Hangstart über Felsen)

4. „Robbenstart“: Wir legen das Seekajak so im Strandbereich ab, dass es noch nicht aufschwimmt, wenn wir uns hineinsetzen. Dann schließen wir die Spritzdecke und „robben“ mit dem Paddel in einer Hand los, und zwar so, dass wir uns gleichzeitig mit beiden Händen auf dem Grund nach vorne Richtung Meer abdrücken, wobei wir in der einen Hand das Paddel halten und uns mit dem Paddelblatt vom Grund abstützen.

Wenn wir durch die Brandung solo hinaus aufs Meer paddeln wollen, dann erfolgt das i.d.R. per „Robbenstart“. Wenn die Brandung nicht bis an den Strand reicht, kann auch ein Nassstart versucht werden.

Der „Robbenstart“ solo durch die Brandung ist nicht immer ganz einfach. Schon ein nur 50 cm hoher Brecher, der auf den Strand spült, kann einem Schwierigkeiten bereiten, und zwar aus vier Gründen:

1. Der heranstürzende Brecher hat so viel Wucht, dass wir in unserem Seekajak sitzend immer wieder zurück an den Strand gespült werden.

Um das zu verhindern, ist es wichtig:

(a) beim Nähern des Brechers mit voller Kraft vorwärts zu paddeln,
(b) und beim Durchlauf des Brechers den Oberkörper nach vorne zu neigen und nicht voll aufzurichten, um den Brecher weniger Widerstand zu bieten,
(c) und zugleich das Paddel nicht über den Kopf, sondern stattdessen ein Paddelblatt im Wasser zu halten, damit ein möglicher Rückwärtssurf gestoppt oder zumindest abgebremst werden kann.

Dabei ist auf das richtige Timing zu achten. Wir sollten also nicht gerade dann durch einen Brecher paddeln, wenn er am größten ist.

2. Der Brecher zieht nach seinem Durchlauf stets soviel Wasser vom Strand ab, dass es uns nicht möglich ist, unser Seekajak vom Strand zu lösen und aufschwimmen zu lassen.

Die Folge: Der nächste Brecher transportiert uns und unser Seekajak noch ein Stück weiter hinauf auf den Strand, bevor wir überhaupt unsere Chance zum Starten nutzen können.

Übrigens, besonders schwierig wird es für jene Kanuten, deren Seekajaks über ein Heck verfügen, welches sich regelrecht im Sand „festkrallen“ kann. Das trifft z.B. für feste Flossen zu oder eine nicht im Heck integrierte Unterheckflossensteueranlage, ein Steuerblatt aus verbiegbarem Hartgummi (sog. Activ-Rudder bei den finnischen Seekajaks von KAJAK-SPORT/MIKS-KAYAKS) oder ein Steuer, dessen tiefster Punkt unter der Kiellinie liegt (so etwas finden wir bei manchen LETTMANN-Seekajaks); denn solche nach unten ragenden Enden verankern sich regelrecht im Untergrund und erschweren das Rutschen des Seekajaks ins Wasser.

3. Wenn wir unser Seekajak nicht genau senkrecht gegen die einlaufenden Brecher ausrichten, treibt es in der Regel quer zum Brecher.

Dann müssen wir entweder im Seekajak sitzenden versuchen, es wieder senkrecht zum Brecher hin auszurichten (=> am leichtesten wird es uns gelingen, unser Seekajak wieder hin zum Brecher zu drehen, wenn wir es auf die Seite legen (kanten)), oder wir müssen aussteigen, es im Stehen wieder ausrichten, erneut einsteigen und nochmals versuchen zu starten.

Bei kleinerer und weniger wuchtiger Brandung gelingt es erfahrenen Kanuten manchmal, in ihrem Seekajak sitzend ihr Boot statt vorwärts rückwärts zum Brecher auszurichten und folglich rückwärts durch die Brandung hinaus zu paddeln!

4. Besonders schwierig wird uns das Ausrichten des Seekajaks fallen, wenn die Brecher etwas seitwärts einlaufen bzw. wenn das Wasser seitwärts am Strand entlang strömt,

was auf die Tiden- bzw. Bodenverhältnisse vor Ort zurückgeführt werden kann.

Brandungsprophylaxe

Haben wir Start-Schwierigkeit, bietet es sich u.U. an:
  • einen anderen Startplatz auszusuchen, wo der Strand weniger steil ist und die Brecher weniger wuchtig, weniger seitwärts einrollen bzw. wo die Strömung geringer ist;
  • - sofern es sich um ein Tidengewässer handelt - etwas früher oder später zu starten, denn im Verlauf der Dauer (hier: Steig- bzw. Falldauer) einer Tide ändert sich die Wucht der Brecher, und zwar zum einen weil die Tidenströmung nicht immer gleich stark ist, und zum anderen weil tidenbedingte Wasserstandsschwankungen zur Änderung der Strandverhältnisse führen können (hier: flacher bzw. steiler Strand);
  • - sofern die Brandung in Ketten vor dem Strand liegt und das Wasser anfangs nicht zu tief ist – unser Seekajak durch die erste Brandung zu treideln und dann erst einzusteigen, um anschließend mit Kraft und Tempo die nächste Brandungskette in dem Moment durchzupaddeln, wenn die Brecher gerade mal weniger hoch sind. http://forum.kanu.de/showthread.php?t=7326
Abgesehen davon sollte wir bei einer Tour unter Brandungsbedingungen in Erwägung ziehen nur an solchen Streckenabschnitten zu rasten bzw. zu übernachten, wenn wir uns sicher sind, dass beim Starten nach der Pause bzw. am nächsten Tag keine schwierigen Brandungsbedingungen vorherrschen werden.

D.h. wir sollten solche Plätze meiden, bei denen bald:
  • höhere Dünung (ab 50 cm) einlaufen könnte bzw.
  • lt. Seewetterbericht der Wind mit mehr als 3-4 Bft. auflandig blasen könnte.
Sonst könnten wir z.B. das erleben, was Freya Hoffmeister am 23.01.13 bei ihrer Tour rund Südamerika passiert ist:

http://freyahoffmeister.com/2013/01/...-2013-day-371/

Unterwegs mit Freya irgendwo an der Küste Ecuadors

An dem Tag rollte eine nicht weiter kritisch erscheinende Dünung an den Strand von Ecuador. Der Untergrund entlang der pazifischen Küste Südamerikas war bislang so, dass Freya ihr Seekajak vor der ersten Brecherkette ins Wasser ziehen konnte, und zwar so, dass es keine Grundberührung mehr hatte. Dort nahm sie in ihrem Boot Platz und wartete nun den Moment ab, bis die Dünung etwas schwächer anrollte, dann startete sie mit voller Kraft voraus hinaus durch die erste Brecherkette, anschließend nach entsprechend nötiger Wartezeit durch die zweite Brecherkette … bis sie draußen außerhalb der Brandungszone auf Kurs gehen konnte.

Schon als sie sich an ihrem 372. Fahrtentag in ihre Sitzluke setzte, merkte Freya, dass der Bereich zwischen Strand und erster Brecherkette nicht tief genug war. Die Folge: Ihr Seekajak konnte nicht aufschwimmen und Freya nicht auf Warteposition gehen, um dann bei entsprechend niedriger Dünung sofort durchzustarten. Stattdessen wurde sie vom rücklaufenden Wasser in den nächsten Brecher gezogen und dann immer und immer wieder zurück an den Strand gespült. Zweimal kenterte sie sogar und zerrt sich dabei den Hals. Also musste sie immer wieder und wieder aussteigen, die Sitzluke vom sandhaltigen Wasser befreien. Anschließend begann alles von vorne. Zwischendurch versuchte ein Marineoffizier, ihr Starthilfe zu geben. Aber auch das half nichts; denn er verpasste es jeweils, sie rechtzeitig und mit genügend Schwung Richtung Brecher zu schieben. Schließlich treidelte sie, denn der Strandbereich war recht flach, durch die erste Brecherkette, schwang sich danach in ihr hoch auf schwimmendes Seekajak und paddelte hinaus, so wie sie es früher häufiger gemacht hatte. Manchmal musste das wegen der anrollenden Brecher so schnell gehen, dass sie weder die Zeit hatte, ihre Beine in die Sitzluke zu stecken noch die Spritzdecke zu schließen. Hauptsache sie kam durch die Brecher. Draußen hinter der Brandung konnte sie dann immer noch ihre Sitzluke lenzen.

Gruß aus Hamburg:
__________________
Udo Beier

Geändert von Udo Beier (23.04.2013 um 10:01 Uhr) Grund: Einfügung von 4 Startvarianten
Mit Zitat antworten
  #3  
Alt 13.02.2013, 14:35
Udo Beier Udo Beier ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 23.01.2007
Beiträge: 1.399
Ausrufezeichen Gruppen-Start durch die Brandung

Ahoi!

… und was ist, wenn einem Solo-Paddler der Start durch die Brandung nicht gelingen will, so sehr:
  • er sich auch abmüht,
  • er auch andere Strandabschnitte in der Nähe nach leichteren Brandungsbedingungen absucht,
  • er sich auch Zeit nimmt, in der Hoffnung dass während der Dauer einer Tide sich die Brandungsbedingungen abnehmen.
Nun, wir könnten die Meinung vertreten, dass ein Küstenkanuwanderer, der nicht allein durch die Brandung paddeln kann, so lange an Land bleiben sollte, bis die Brandungsbedingungen einen Solo-Start ermöglichen!

Gilt das auch bei „Gruppenfahrten“? D.h. dürfen einem die Mitpaddler beim Start durch die Brandung nicht helfen? Aber welche Bedeutung hätte solch eine Ansicht auf den Gruppenzusammenhalt? Hieße es doch, dass die leistungsfähigeren Kanuten auf Tour gehen und ihre „schwächeren“ Mitpaddler zurücklassen dürften!? Okay, bei einer Tagestour wäre solch eine Auffassung diskutabel; denn abends wäre die Gruppe wieder vollständig am Strand versammelt! Wenn jedoch über mehrere Tage Strecke gepaddelt werden sollte, können jedoch die „Schwachen“ nicht einfach zurückgelassen und sich selbst überlassen werden!?

D.h. bei mehrtätigen Touren entlang der Küste, muss sich die Gruppe etwas einfallen lassen. Folgende Alternativen sind abzuwägen:
  • Die geplante Tourenetappe wird abgesagt. Es wird ein „Ruhetag“ mit Standquartier eingelegt, wobei den „brandungstüchtigen“ Kanuten jedoch zugestanden wird, eine „Spritztour“ zu unternehmen.
  • Die geplante Tourenetappe wird verlegt. Die Seekajaks werden auf die Bootswagen gepackt und es wird – sofern möglich - hinüber zu einem anderen Küstenabschnitt gerollt, wo keine Brandungsbedingungen herrschen.
  • Die geplante Tourenetappe wird beibehalten. Den „Schwächeren“ wird Starthilfe durch die Brandung angeboten, aber nur dann, wenn die Gruppe sich sicher ist, dass alle Teilnehmer nicht nur draußen vor dem Strand die Brandungsbedingungen beherrschen, sondern auch am Ende der Tagesetappe wieder sicher durch die Brandung anlanden können.
Wie sieht nun solch ein Gruppen-Start durch die Brandung aus? Wenn alle wollen, dass möglichst zügig gestartet werden soll, dann bietet es sich nicht an, nur den „Schwächeren“ Starthilfe zu geben und die anderen sich selbst zu überlassen; denn ein Brandungsstart kostet Kraft und ein gescheiterter Brandungsstart kostet viel Kraft. Wer zwei- - dreimal vergeblich versuchte, hinaus durch die Brandung zu kommen, dem fehlt schließlich auch die Kraft, um nun mit Starthilfe den vierten Versuch zu vollenden. Abgesehen davon kosten solche Fehlstarts nicht nur viel Kraft, sondern auch viel Zeit (=> Klarmachen des Seekajaks nach einer Kenterung, Fertigmachen zum nächsten Start). Außerdem ist eine Kenterung beim Starten durch die Brandung nicht ganz ohne Risiko (=> Verletzung von Armen, Oberkörper bzw. Kopf).

Deshalb empfiehlt es sich bei Gruppenstarts durch die Brandung, dass jeder Kanute von einem Mitpaddler Starthilfe erhält … bis schließlich nur noch einer übrig bleibt. Das sollte ein sehr leistungsfähiger Kanute sein, für den die folgende „Regel“ gilt:
  • „Last out“: Beim Start durch die Brandung steigt der leistungsfähigste Kanute als letzter in sein Seekajak, und zwar nachdem er den anderen Starthilfe gegeben hat.
denn vom „leistungsfähigsten“ Kanuten kann am ehesten erwartet werden, dass es ihm gelingen wird, auch ohne Hilfe Dritter durch die Brandung hinaus aufs Wasser zu kommen. Das bedeutet natürlich nicht, dass der „leistungsfähigste“ Kanute allein für die Starthilfe zuständig ist. Nein, solange andere Kanuten noch am Strand sind, sollte auch sie aktiv beim Starten ihre Hilfestellung anbieten. Und … jeder andere, der starten will, sollte diese Hilfestellung auch annehmen, und zwar um solchen einen Startvorgang ohne viel Zeit- & Kraftverlust und ohne zusätzlichem Gesundheitsrisiko zum Abschluss zu bringen.

Starthilfetipps

Auf was ist zu achten, wenn wir einem Kanuten beim Start durch die Brandung helfen wollen:
  • Das Seekajak des Kanuten soll so zur Welle und zur Strömung ausgerichtet werden, dass es nicht quer treibt. Dabei ist es meist hilfereich, wenn das Seekajak noch nicht ganz aufschwimmt.
  • Der Helfer hält dabei das Seekajak möglichst am Heck fest. Notfalls muss ein zweiter Helfer am Bug des Seekajaks das Quertreiben verhindern.
  • Das Seekajak wird erst dann ins tiefere Wasser geschoben und anschließend sehr kräftig beschleunigt, wenn die Brandung etwas weniger stark angerollt kommt und der letzte Brecher schon vollständig gebrochen ist und sein Wasser beginnt, den Strand hochzuspülen.
  • Scheitert der Startvorgang und schlägt das Seekajak quer, ist unter allen Umständen darauf zu achten, dass der Helfer sich nicht im Wellenlee des Seekajaks aufhält; denn ungünstigstenfalls könnte sonst der nächste anrauschende Brecher das quer getriebene Seekajak auf den Helfer spülen. Ein Beinbruch ist dann nicht mehr auszuschließen.
Wie eine solche Starthilfe bei härteren Brandungsbedingungen aussehen kann, ist den folgenden 4 Fotos zu entnehmen. Sie zeigen Freya Hoffmeister beim Brandungsstart anlässlich ihrer Umrundung der Südinsel von Neuseeland (2007):

https://plus.google.com/photos/11213...43251759197010 (am rechten Rand ist der Pfeil anzuklicken, um sich die nächsten 3 Fotos anzuschauen)

Gruß aus Hamburg:
__________________
Udo Beier
Mit Zitat antworten
  #4  
Alt 18.02.2013, 09:48
Udo Beier Udo Beier ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 23.01.2007
Beiträge: 1.399
Frage „Schlepphilfe“ durch die Brandung?

Ahoi!

Im SEEKAJAK (Nr. 132/12, S.32-33) schlägt Kai Urban in dem folgenden Beitrag:

„Den Letzten beißen die Hunde …
Hilfe beim Brandungsstart – ein Erfahrungsbericht“

vor, für den Fall, dass wir nicht in der Lage sind, einem Kameraden per „Anschubs- & Anschupshilfe“ den Start durch die Brandung zu erleichtern, es einmal mit „Schlepphilfe“ zu versuchen. Auf diese Weise könnte z.B. erreicht werden, dass der „letzte“ Kanute, der vorher all seinen Mitpaddlern Starthilfe gewährt hat, nun gemäß der Regel „Last out“ nicht als „Letzter“ beim Brandungsstart allein auf sich selber gestellt ist, d.h. allein auf seine Kraft, seine Geschicklichkeit und sein Glück angewiesen ist.

Vorgeschlagen wird Folgendes:
  • Der „vorletzte“ Kanute verbindet, bevor er vom „Letzten“ in die Brandung geschoben wird, zwei Schleppleinen miteinander (zusammen ca. 16-24 m lang), bindet diese am Seekajak des „Letzten“ fest und lässt sich dann vom „Letzten“ in die Brandung schieben.
  • Der „Vorletzte“ paddelt anschließend durch die ersten großen Brecher und geht danach auf Warteposition, damit der „Letzte“ die Gelegenheit hat, in sein Seekajak zu steigen und es startbereit vor der Brandungszone auszurichten.
  • Dann passen beide den richtigen Moment zum Starten & Schleppen ab und paddeln bzw. „robben“ los, bis sie die Brandungszone bzw. die erste Brandungskette hinter sich haben, lösen die Schleppleine, packen die Schleppleine ein und schlagen mit ihren Seekajaks den gewünschten Kurs ein.
Der Einsatz der Schleppleine dient im Wesentlichen dazu zu verhindern, dass das Seekajak des „Letzten“ während der Startphase – d.h. also beim „Robbenstart“ - quer treibt. Ob die Zugkraft des „Vorletzten“ auch dazu ausreicht, um den „Letzten“ zusätzlich durch die Brandung zu ziehen, möchte ich bezweifeln. Letztlich wird das aber von der Wucht der Brecher abhängen.

Ich halte ein Schleppen in der Brandung für gefährlich, egal ob nun durch die Brandung hinaus oder mit der Brandung hinein geschleppt wird. Es spricht nicht für das Mitgliedermagazin der Salzwasserunion, dass ein solcher Beitrag kommentarlos abgedruckt wird und dass auch im nachfolgenden Heft kein Kommentar dazu erschienen ist.

Eine solche „Schlepphilfe“ sollte – wenn überhaupt – höchstens dann in Erwägung gezogen werden, wenn nur ein bis zwei Brecher auf den Strand spülen und wenn es sichergestellt werden kann, dass der „Vorletzte“ beim Hinausschleppen nicht vom „Letzten“ wieder zurück in die Brecher gezogen werden kann. Aber auch dann ist diese ganze Schleppaktion nicht ganz ungefährlich; denn was ist, wenn:
  • der „Letzte“ es nicht schafft, durch die Brandung hinauszupaddeln, sondern stattdessen – trotz der "Schlepphilfe" – vom Brecher quer getrieben wird, kentert, nicht aussteigen kann, den Strand hoch und runter kullert und sich dabei die Schleppleine um seinen Körper wickelt?
Alle anderen Situationen sind nicht minder kritisch zu beurteilen, z.B.:
  • dem „Vorletzte“ gelingt es nicht, im ersten Versuch durch die Brandung hinauszupaddeln. Schon der erste Brecher schmeißt ihn zurück, lässt ihn kentern ….
  • dem „Vorletzten gelingt es wohl, die ersten Brecher zu überwinden, aber er schafft es nicht mehr, beim Schleppen gegen die anrollenden Brecher anzupaddeln, d.h. er wird von einem Brecher rückwärts mitgenommen, kentert …
In beiden Fällen ist nicht auszuschließen dass sich der „Vorletzte“ nach der Kenterung in der eigenen Schleppleine verheddert, und zwar u.U. genau in dem Moment, als auch der „Letzte“ sich in der Schleppleine verheddert.

Abgesehen davon gibt es Kommunikationsprobleme. Wie verständigen sich die beiden, wann mit dem Schleppen begonnen werden soll, wenn jeder Zuruf bzw. jedes Pfeifensignal vom Lärm der Brandung bzw. vom Rauschen des Windes übertönt wird?

Natürlich sind immer Situationen denkbar, bei denen eine solche „Schlepphilfe“ mit Erfolg eingesetzt werden kann, wie aber auch Situationen nicht ausgeschlossen werden können, bei denen die „Schlepphilfe“ ungünstigstenfalls zu Personenschäden führt. Insbesondere bei kritischer Brandung und voll beladenem Seekajak würde ich das Risiko, welches mit einer „Schlepphilfe“ verbunden ist, nicht eingehen, solang ich über Alternativen verfüge, z.B.:
  • Vorbeugung: Wir landen erst gar nicht an dem kritischen Strandabschnitt an.
  • Startverschiebung I: Wir verschieben den Start und warten darauf, dass mit der Veränderung der Gezeit sich die Brandungsbedingungen zu unseren Gunsten verändern.
  • Startverschiebung II: Wir verschieben den Start und warten darauf, dass der Wind bzw. die Dünung sich legt.
  • Ortswechsel: Wir suchen nach einem Strandabschnitt, wo es weniger stark brandet.
  • Kräfteschonung: Der „letzte“ Kanute soll wirklich jener sein, der über die meiste Kraft und Geschicklichkeit verfügt. Er wird daher während der ganzen „Anschubhilfe“-Aktion geschont, d.h. er hilft seinen Mitpaddlern – mit Ausnahme des „Vorletzten“ - nicht beim Start durch die Brandung, damit er dann, wenn er dran ist, noch über seine vollen Kräfte verfügt.
Gruß aus Hamburg:
__________________
Udo Beier

Geändert von Udo Beier (18.02.2013 um 14:55 Uhr)
Mit Zitat antworten
  #5  
Alt 20.02.2013, 23:15
Udo Beier Udo Beier ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 23.01.2007
Beiträge: 1.399
Beitrag Brandungsübungen: Paddeln in der Brandung

Ahoi!

Auf YOUTUBE gibt es ein Video zum Brandungspaddeln:

www.youtube.com/watch?v=aBYKNB-P8_M

Gezeigt wird kein Surfen bei „Kaventsmännerbedingungen“, sondern bei einer Brandung, die bei entsprechender Übung & Sportlichkeit jeder Küstenkanuwanderer meistern können müsste. Das Video ist mit seinen 8:35 Minuten wohl etwas lang geraten. Dafür ermöglicht es uns, das Brandungssurfen in allen möglichen Varianten zu beobachten, z.B.:
  • der Einsatz des Heckruders beim Surfen,
  • das kontrollierte Ausbrechen zum Seitwärtssurf mit Stützen zur Welle,
  • das Anlanden mittels Seitwärtssurf,
  • das Hinauspaddeln durch einen Brecher,
  • das Rückwärtssurfen.
Leider gibt es bei uns an Nord- und Ostsee selten solch kontrollierte, von einlaufender Düngung geprägte Brandungsbedingungen. Bei uns wird die Brandung meist von der Windsee hervorgerufen, was dazu führt, dass es etwas unruhiger und schneller brandet.

Gruß aus Hamburg:
__________________
Udo Beier
Mit Zitat antworten
  #6  
Alt 21.02.2013, 07:35
Siegmund Siegmund ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 15.01.2007
Ort: Bremen
Beiträge: 306
Standard Brandungspaddeln

sieht an der Norseeküste eher so aus:
http://www.youtube.com/watch?v=x46IZcORMMM
Grüße
Siegmund
Mit Zitat antworten
  #7  
Alt 19.04.2013, 09:33
Udo Beier Udo Beier ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 23.01.2007
Beiträge: 1.399
Ausrufezeichen Anlanden durch die Brandung

Ahoi!

Ein Anlanden durch die Brandung an den Strand kann ähnlich dramatisch verlaufen wie ein Start durch die Brandung hinaus aufs Wasser … mit dem einen Unterschied, dass wir immer rein- aber nicht immer rauskommen.

Auf Folgendes ist beim Anlanden zu achten:
  • Grundsatz: Wir landen nur dann durch die Brandung an einem Strand an, wenn wir uns sicher sind, dass wir zum gewünschten Zeitpunkt auch wieder durch die Brandung hinaus aufs Wasser starten können. Wer also ohne Kenntnis der Wind- & Dünungs-Prognose anlandet, sollte nicht überrascht sein, wenn der Start sich anschließend verzögert oder gar für längere Zeit nicht mehr möglich ist..
  • „First in“: Bevor eine Gruppe von Küstenkanuwanderern durch die Brandung anlandet, fährt möglichst der leistungsfähigste Kanute vor und landet als erster an.
  • Strandbeschaffenheit: Er prüft dann zunächst, ob der ausgewählte Strand überhaupt ein kontrolliertes Anlanden ohne großes Risiko für alle Mitpaddler ermöglicht, d.h. er hält nach Hindernissen (z.B. Felsen, Buhnen, Buhnenreste; aber auch Schwimmer) Ausschau und wägt ab, ob die Steilheit des Strandes (Dumpergefahr!) überhaupt ein Anlanden zulässt.
  • „Landhilfe“: Anschließend gibt er das Okay für das Anlanden (==> ein Arm hochhalten!), wobei bei kritischeren Brandungsbedingungen drauf zu achten ist, dass nicht alle auf einmal, sondern hintereinander anlanden, so dass jedem einzelnen beim Anlanden herausgeholfen werden kann.
Eine solche „Landhilfe“ für jeden einzelnen Kanuten ist unbedingt nötig, um das Risiko, dass aus einer Landung eine „Strandung“ wird, möglichst klein zu halten. D.h. ein Kanute landet erst dann an, wenn er genau weiß, welche Person am Strand bereit steht, um ihm beim Anlanden zu helfen

Strandungsgefahren

Brandung ist unberechenbar! Beim Anlanden am Strand läuft es nicht immer so ideal ab:
  • Wir surfen mit so viel Tempo vor dem uns ausgewählten Brecher her, bis er uns „Bug voraus“ hoch auf den fast trockenen Strand spült.
Vielmehr kann es beim Anlanden sehr plötzlich passieren, dass der Kanute:
  • kurz bevor er mit seinem Seekajak den Strand erreicht, vom Brecher quer getrieben wird, seitwärts auf den Strand surft, dabei kentert und anschließend von den nachfolgenden Brechern samt seinem Seekajak den Strand hoch und runter gekullert wird, u.U. ohne Aussteigen zu können.
  • den Strand „Bug voraus“ erreicht, dann aber – bevor er die Spritzdecke öffnen, aussteigen, den Bugtoggle seines Seekajaks fassen und sein Seekajak hoch ins Trockene ziehen kann – vom nachfolgenden Brecher höher auf den Strand geworfen und anschließend wieder zurück ins Wasser gesogen wird.
  • den Strand „Bug voraus“ fast erreicht, dann aber mit seinem Bug sofort im steilen Strand stecken bleibt bzw. von dem ihn überholenden Brecher gekerzt wird und quer treibt bzw. sofort kentert …….
Personenschäden (Hals-, Bein- und Armbruch) und Sachschäden (Paddel-, Steuerblattbruch bei am Heck angehängter Steueranlage) sind dann nicht mehr auszuschließen. Außerdem wird all das Ausrüstungsmaterial, was nur lose in der Sitzluke bzw. auf Deck verstaut ist, vom Meer „verschluckt“, wenn auch meist später irgendwo am Strand wieder „ausgespuckt“. Schließlich wird die Sitzluke des gekenterten Seekajaks mit einem Wasser & Sand-Gemisch so voll gefüllt sein, so dass die Helfer am Strand ihre Mühe haben werden, das nunmehr um über 200 kg schwerere Seekajak hoch ins Trockene zu schleppen.

Wie bieten wir „Landhilfe“ an?

Nun, wir winken gezielt einen Mitpaddler draußen auf dem Wasser heran, geben ihm – je nach Seegang – ein Zeichen, wann er seinen Anlandevorgang beginnen soll, und warten dann genau den Moment ab, an dem es sich anbietet, den Bugtoggle seines Seekajaks zu ergreifen und das Seekajak – samt Kanute – etwas hoch Richtung trockenem Strand zu ziehen. Dabei müssen wir die ganze Zeit darauf achten, dass ein Brecher das Seekajak nicht zurück ins Wasser saugt. Und sollte das Seekajak jedoch beim Anlanden quer schlagen, müssen wir aufpassen, dass es nicht zwischen uns und den Brechern treibt; anderenfalls könnte der nächste Brecher das Seekajak auf unsere Beine spülen. Knochenbrüche sind dann nicht mehr auszuschließen. Wir dürfen uns also nur am Bug oder Heck des zu bergenden Seekajaks aufhalten. Verfügt das Seekajak jedoch über eine am Heck anmontierte, nicht integrierte Steueranlage, können wir ohne großes Verletzungsrisiko das Seekajak nur dann bergen, wenn wir uns in Höhe des Bugtoggles befinden.

... und auf was muss der anlandende Kanute achten?

Zunächst einmal warten wir in einer mehr oder weniger brandungsfreien Zone auf das Signal zum Anlanden. Dann passen wir den richtigen Brecher ab, wobei wir darauf achten, ob ein Helfer uns signalisiert, wann es am günstigen ist anzulanden.

Rollt Dünung rein, bietet es sich an, abzuwarten, bis die Dünung nicht so hoch aufläuft. Jede 7. Welle soll doch höher bzw. auch niedriger sein!? Manchmal heißt das, 5 bis 10 Minuten zu warten, bis wir den Anlandevorgang einleiten können.

Bei Windsee erleben wir in der Regel nicht solch starke Höhenunterschiede. Folgende Anlandetaktiken bieten sich dann an:
  • Wir surfen je nach Höhe und Wucht der Brecher mit einem Brecher so herein, dass wir möglichst genau dann, wenn der Brecher auf den Strand spült, mit unserem Seekajak auch auf den Strand rutschen. Bricht unser Seekajak jedoch kurz vor der Landung aus, können wir versuchen, durch einen Konterschlag bzw. Heck- oder Bugruderschlag unser Seekajak am Ausbrechen hindern. Meist fehlt einem jedoch die nötige schnelle Reaktion, die erforderliche Kraft bzw. es mangelt an der richtigen Paddeltechnik. Die Folge: Das Seekajak schlägt trotzdem quer und – da wir u.U. noch auf der falschen Seite (Wellenlee) das Paddelblatt im Wasser haben – unser Seekajak stolpert über unser eigenes Paddelblatt, d.h. wir kentern. Wenn wir kein Surfexperte sind, sollten wir also unser Seekajak ruhig ausbrechen lassen, dabei aber nicht vergessen, zum Brecher zu stützen (=> flacher bzw. hoher Stützschlag).
  • Wenn wir unsicher sind, ob es uns gelingen wird, beim Quertreiben unseres Seekajaks rechtzeitig zum Brecher hin zu stützen, können wir auch versuchen, statt direkt im rechten Winkel etwas schräg Richtung Strand zu surfen. Dann sehen wir nämlich auf unserer zum Strand etwas abgewandten Seite den Brecher sich langsam näheren und können so gezielter & schneller stützen. Wir surfen wohl dann seitwärts Richtung Strand, aber das ist nicht weiter schlimm; wenn dort am Strand einer unserer Mitpaddler bereit steht, um uns samt Seekajak hinauf auf den weniger nassen Strand zu ziehen.
  • Es ist eigentlich reizvoll, auf der Frontseite eines Brechers Richtung Strand zu surfen. Erscheinen uns jedoch die Brecher zu hoch und haben wir den Eindruck, dass der anrollende Brecher uns unkontrolliert ins Surfen bringen oder „kerzen“ lassen könnte, bietet es sich auch an, mit kräftigen Bremsschlägen dazu beizutragen, dass der Brecher uns überholt, ohne uns mitzunehmen (= Surfen). Auf der Rückseite eines solchen Brechers versuchen wir dann, wieder Tempo aufzunehmen, und zwar so, dass wir mit dem nächsten Brecher auf den Strand gespült werden.
  • Es gibt auch die Empfehlung in bestimmten Situationen rückwärts anzulanden, da das uns ermöglicht, die einlaufenden Brecher besser zu beobachten. Notfalls könnten wir dann kurzzeitig versuchen, nochmals gegen einen solchen Brecher anzupaddeln. Aber woher nehmen wir dann die Kraft und wie kommen wir auf Tempo, um zum Schluss den Strand hochzusurfen? Außerdem ist so etwas nur ratsam, wenn das Seekajak über keine angehängte Steueranlage verfügt, da diese beim möglichen Kerzen im Strandbereich abbrechen bzw. die „Landhilfe“ durch einen Kameraden sehr erschweren könnte.
Übrigens, am idealsten sind Brandungsbedingungen, und zwar sowohl beim Anlanden , als auch beim Starten, bei denen dank einer vorgelagerten Sandbank die Brecher höchstens bis 10-15 m an den Strand heran reichen. Hier gilt es allein, die Brandungszone ohne Kenterung zu meistern. Wie wir durch die Brandung kommen - ob surfend, paddelnd oder treibend, ob vorwärts, seitwärts oder rückwärts -, ist eine Option, für die sich jeder einzelne Kanute selber je nach seinen Fähigkeiten & Wünschen entscheiden kann.

Er sollte dabei nur nicht kentern; denn wo es brandet, ist es meistens flacher und wo es flach ist, da kann ein „Kenterbruder“ sich den Kopf stoßen, egal ob er nun in seinem Seekajak sitzen bleibt oder neben ihm treibt. Zusätzlich kann die Gefahr bestehen, dass ein Brecher den „Kenterbruder“ auf sein Seekajak bzw. das Seekajak auf den „Kenterbruder“ schmeißt. Auch dann sind Verletzungen nicht mehr auszuschließen!

Brandungsübungen im Flachwasser-Hallenbad
(siehe: http://forum.kanu.de/showthread.php?t=7615 )

Gruß aus Hamburg:
__________________
Udo Beier
Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu

Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Der ideale Kopfschutz fürs Brandungspaddeln? Udo Beier Küste 2 23.04.2018 09:15
Brandungspaddeln mit einem Sit-on-Top (SoT) Udo Beier Küste 3 05.12.2014 12:09
Brandungspaddeln: Basiskönnen Udo Beier Küste 1 09.05.2014 15:28


Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 11:40 Uhr.


Powered by vBulletin® Version 3.8.11 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2018, vBulletin Solutions, Inc.