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Alt 18.03.2018, 12:40
haubentaucher haubentaucher ist offline
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Was sich lohnen könnte, wäre ein einfacher Shorty, z.B. von Decathlon, Magic Marine, Gaastra, ...
Wasserfester Kälteschutz an den Beinen lohnt sich nur, wenn die wirklich ständig nass sind. Sind sie es nicht, ist man mit einem Shorty flexibler. Ein grundsätzliches Problem beim Paddeln ist die Transpiration. Wenn Du Dich sehr wenig bewegst geht es. Aus dem Grund sieht man Wanderpaddler in (kipp-)stabilen Booten zwischen November und April oft in Astronautenovies fahren. Zum sportlichen Paddeln in wenig stabilen Booten taugt das nichts, weil man in dieser Montur jegliches Bootsgefühl verliert. Ein Zahnarzt kann auch nicht in dicken Fäustlingen arbeiten, Gummistiefel haben beim Bouldern nichts zu suchen und ein Schlagzeuger im dicken schwedischen Militärmantel wird ein schlechtes Solo hinlegen. Schwimmkleidung, die für kaltes Wasser geeignet wäre, wäre zum sportlichen Paddeln ungeeignet. Deswegen sind Neos für sportliches Paddeln immer sehr dünn.
Ambition hin oder her, ein mittlerer eng aber nicht zu eng sitzender Shorty könnte bei eurem Boot ein guter Kompromiss sein.

Bekleidungsbeispiele: Gestern hatten wir bei uns kuschelige -3° und dazu einen frischen Wind.
• Einer ist mit Neoprenshirt gefahren. Es blieb warm, weil er die Überbekleidung, bestehend aus etwas Fleece und einem Windbreaker nicht durchgeschwitzt hat. Gefühlter Tragekomfort bei -17. Mit Latex in die Sauna wäre der pure Luxus dagegen.
• Ein anderer ist mit Laufshirt und zwei Lagen Fleece und Paddeljacke gefahren. Anfangs ist sowas warm, aber sobald das Fleece so durchgeschwitzt und mit Feuchtigkeit angefüllt ist, dass es nichts mehr aufnehmen kann, sinkt die Isolationswirkung rapide. Er kam nach einer Stunde völlig durchgefroren zurück, trug allerdings auch keine wärmende Schwimmweste
• Die meisten sind mit doppeltem Craft-Shirt, Windbreaker und dazu einem sehr warmen Kopfschutz gefahren. Insgesamt also relativ wenig Isolierung am Rumpf, aber auch wenig Auskühlen am Kopf. Eine gute Stunde völlig problmlos, warm und kuschelig an den Steeg zurück.

Jeder fuhr was für seine Verhältnisse stabiles, wo ein Kentern extrem unwahrscheinlich ist. Außerdem nie zu weit vom Ufer entfernt und nie zu weit vom Bootshaus mit der heißen Dusche, denn man will ja kein Risiko eingehen, sich am Ende noch eine Erkältung zuzuziehen. Es kentert von Zeit zu Zeit mal jemand, sagen wir insgesamt vielleicht 3 Kenterungen pro Winter, und man sieht, dass die Vorsichtsmaßnahmen ausreichen, denn der Verein ist in seiner Region seit über 50 Jahren einer der aktivsten und erfolgreichsten im Rennsport und es gab noch nie einen Kälte-Unfall.
Für die Kanujugend, die nicht nur aber doch überwiegend während der MESZ auf dem Wasser ist, wird intern folgende Packliste fürs Training empfohlen:
– Sportzeug (Craft-Shirts, Hosen kurz und lang, Socken ...)
– Paddeljacke, Mütze, Schwimmweste, Spritzdecke,
– Krocks/ Badelatschen


Wieder eine Spannbreite der Meinungen: Was im Rennsport seit Jahrzehnten bewährter Alltag ist, erzeugt unter linientreuen Wanderpaddlern einen Shitstorm der Kategorie 5.

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Zum Anbaden, das ich ab etwa 12° Wasser freiwillig einläute, der Tipp, dass gerade die Nieren sehr exponiert sind. Mit Neopren Nierengurt kann man ohne besonders füllig sein zu müssen, bei 14 bis 16° locker mal ein halbes Stündchen schwimmen und auch mal ein Stück Tauchen. Ohne Nierengurt zieht es hinterher übelst in der Region und man riskiert eine Entzündung.

Ein Verbandspäckchen brauchst Du nicht. Wo solltest Du Dich am Boot schneiden? Du wirst Dir auch kein Bein brechen und keinen Arm auskugeln. Beim Aussteigen im flachen Wasser sollte man was an den Füßen haben, weil man immer wieder Glasscherben findet, wenn man das barfuß tut.
Wenn ich bei kaltem Wetter weiter vom Bootshaus wegfahre, habe ich vorsichtshalber eine Alu-Isolierdecke dabei, habe bzw. hätte die aber noch nie gebraucht.

Chris
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