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Schlumi 07.11.2017 20:51

Gemeinschaftsfahrten
 
Für das Wanderfahrerabzeichen sind Gemeinschaftsfahrten (Verbandsfahrten) vorgeschrieben. Sie sollten dem gemeinsamen Erleben und Kennenlernen dienen.
Die Angebote sind bisher zahlreich und vielfältig.
Jetzt scheint es Probleme zu geben:
  • mit sinkenden Teilnehmerzahlen
  • mit den Anforderungen (Formalien) an die Anbieter (ich meine hier verlangte Qualifikationen)
  • mit der Art der Fahrten -von toll bis zur Alibitour, die nur als Ziel den Stempel hat.
Viele interessante Angebote sind nicht mehr da.....hat sich die Gemeinschaftsfahrt "überlebt"?
Gruß
Schlumi

walfreund 08.11.2017 07:36

Hallo,

ich sehe die Gemeinschaftsfahrten/Bezirksfahrten auch mit gemischten Gefühlen, da die Faktoren "gemeinsames Erleben" und "Kennenlernen" meiner Beobachtung nach keine Rolle mehr spielen.
Eigentlich versuchen nur alle ihre Boote schnell ins Wasser/vom Hänger zu kriegen, umzusetzen und starten dann los. Davor rennt noch der Wanderwart rum und sucht die Stempelstelle, die dann aber schon auf dem Wasser ist - weil ist ja schon 5 vor/nach Tourstart. Da meistens keine Pausenpunkte/Raststellen vorbesprochen werden, macht jeder da Pause wo er will (oder noch Platz ist), um dann nach Tourende schnell die Autos umzusetzen und wieder die Heimreise anzutreten. Letztenendes bleiben so alle unter sich und man hat als Vereinstruppe nur den Anreisestress für eine Tagesfahrt. Sicherlich kennt man ein/zwei Leute von anderen Vereinen, mit denen man ein Schwätzchen hält, aber das wars dann meiner Erfahrung nach auch.
Da bringt es m.E. mehr eine der ausgeschriebenen Mehrtages-Touren im DKV-Sportprogramm zu besuchen, beim gemeinsamen Zelten und Paddeln kommt man sich auf jeden Fall näher und dadurch werden die ursprünglichen Faktoren der Gemeinschaftserlebnisse mehr in den Vordergrund gerückt.
Die sinkenden Teilnehmerzahlen liegen aber auch sicher an einer verdichteten Arbeitswelt - wer in der Woche als Berufspendler schon relativ viel Zeit auf der Strasse verbringt, wird sicherlich wenig Interesse daran haben sonntags für eine Tagestour von 16,5 km mal eben 200 km zu einem Fluss anzureisen. Ausserdem sind die Beschreibungen der Touren sehr relativ und teilweise sind nicht mal die Start-/Endpunkte endeutig im Sportprogramm/Internetseiten der Kanuverbände beschrieben. Man gurkt dann irgendwo rum, fragt Einheimische (die alle nicht paddeln), um dann mit Glück einem beladenen Autos folgen zu können.
Die einzigen Gemeinschaftsfahrten (abseits von Mehrtages-Touren) an denen ich noch teilnehme sind für mich interessante Flußabschnitte und solche die als Start/Ziel ein Fest eines ausrichtenden Vereins haben. Hier besteht noch die Chance, andere Paddler zu treffen und ins Gespräch zu kommen und darum geht es ja eigentlich.

Grüße,
Christian

haubentaucher 08.11.2017 07:43

Sehe ich so wie Schlumi.
Man möchte seine Scheine bewerben indem man damit positiv ausgedrückt etwas anfangen kann, was einem sonst verwehrt würde. Allerdings ist es keine höhere Macht die das verwehrt, sondern derjenige der die Scheine ausgibt. Deswegen fragen sich aktive Wanderfahrergruppen, ob es sich lohnt, den Formalien gerecht zu werden.
Es werden auf kanu.de einerseits alle möglichen Kajak- und Kanusportarten beworben, andererseits zeigt man mit den Prüfungsanforderungen der Paddelpässe, dass Seekajak und Wildwasserkajak das "richtige" Paddeln für Frezeitpaddler ist und der Rest eben der Rest. Die ganzen Prädikate und Nachweise, die man sich einrahmen kann, sind aber bei weitem nicht der Publikumsmagnet, wie Du selbst schreibst.

Als ernsthafte Konkurrenz zu den Gemeinschaftsfahrten, die man ja lange vorher festlegen muss, sehe ich Whats-App, früher die eine oder andere lokale FB-Gruppe. Ist das Wetter schön, haben ein paar Laute Zeit und Lust, dann geht es los. Wieso soll jemand am Sonntag in 100 km Entfernung im Regen paddeln und nicht von Freitag auf Samstag bei herlichstem Wetter vor seine Haustür? "Weil es seit einem ¾ Jahr so eingetragen ist", war bisher oft die Antwort.

mit sportlichem Gruß
Chris

d-harry 08.11.2017 14:50

Gemeinschaftsfahrten sind immer wieder in der Kritik. Ich finde es aber wichtig, mit anderen zu fahren, um einen breiten Horizont zu haben. Ob das allerdings eine Fahrt ist, die bereits mit langem Vorlauf geplant werden muss ist fraglich.
Wir nehmen immer gerne Paddler aus anderen Vereinen mit. Ich persönlich finde es auch immer sehr spannend mit anderen Vereinen mitzufahren. Für Bezirksfahrten würde ich mir ähnliches Wünschen. Nach dem Motto, nummern ziehen und zusammen fahren.:rolleyes:

Schlumi 08.11.2017 22:51

Gemeinschaftsfahrten
 
Vielen Dank für das viele feed back. Ihr bestätigt eigentlich meine Beobachtungen. - Was kann man ändern? Was sollte man ändern?
Hier eingige Vorschläge, die auf meinen Erfahrungen fussen.....und die Ziele der Gemeinschaftsfahrten - eben die Gemeinschaft - fördern können.
Jede Gemeinschaftsfahrt braucht ein Gemeinschaftserlebnis....selbst bei tagesfahrten ist das möglich....zum Beispiel das obligatorische Kuchenbuffet oder vor der Fahrt die Vorstellung der Route....aber damit wird nicht eine größere Starterzahl erreicht. Die Lösung: in der Ausschreibung klar beschreiben wen man als Teilnehmer erwartet und was den Teilnehmer erwartet. Aber da muss dann auch auf der Tour "geliefert" werden. Also 1. Schritt das Fahrtangebot muss verkauft werden aber nicht als Mogelpackung. Bei einer guten Ausschreibung erkennen die Interessenten schon, welche Zielgruppe angesprochen wird. 2. Schritt die Vorbereitung. klare Programmbeschreibung und für die Fahrten eine Kartenskizze mit den Pausen, den kleinen Hindernissen und den Entfernungen. Bei Themenfahrten wie der Schlösserfahrt, der Spreewaldtour...oder Paddeln unter Noldes Himmel (nicht Ernst nehmen = Eigenlob!!!!) soll genau beschrieben werden wie sich der Veranstalter die Fahrt vorstellt......Der "Erfolg" eine Tour, die in Erinnerung bleibt.....und in jedem Jahr mehr Teilnehmer hat. Das funktioniert! Leider werden auch Fahrten kaputt gemacht, wenn der LKV Anforderungen an den Veranstalter stellen, die ihn brüskieren...das gilt nicht für unsere Fahrten.
Fazit: Gute Gemeinschaftsfahrten verlangen gute Organisatoren, die sich einbringen und keine Mühen scheuen.(ein Schein des DKV kann kein Muss sein) Optimal sind Themenfahrten siehe oben - bei denen gibt es Teilnehmerbegrenzungen.
Verbandsfahrten werden angenommen, wenn sie "echte" Gemeinschaftsfahrten sind. Dabei ist das Engagement der Organisatoren oft entscheident. Lasst die Gemeinschaftsfahrten nicht "sterben"...sondern bemüht euch um neue Inhalte.
Gruß
Schlumi

d-harry 09.11.2017 06:02

Ein Beispiel für gute Gemeinschaftsfahrten sind übrigens die Wildwasserwoche NRW und die JEM. Jeden Tag ist man mit einer anderen Konstelation unterwegs und es gibt die Möglichkeit viele Kontakte zu knüpfen

walfreund 09.11.2017 07:06

Da stimme ich uneingeschränkt zu. Ich denke die neuere Generation von Paddlern will nicht vor einem DKV Flußführer sitzen und mühsam anhand von Symbolen (ist das ein Wehr oder eine Brücke?) und Kilometermarken selbst die Routen interpretieren, sondern "etwas an die Hand genommen werden". Das ist zumindest meine Erfahrung aus Vereinen. Sobald die Angebote mit etwas Text umschrieben werden, also statt "17.04 Tagesfahrt zur Lippe, Start 9h" etwas detailierter - ergänzt um Gewässerbeschreibung/-charakter, Startpunkt/Zielpunkt und Pausenstellen wird die Tour deutlich positiver aufgenommen und stärker besucht. Das liegt in den Vereinen am Wanderwart/Fahrtenorganisator und ist eben kein Selbstläufer mehr wie früher, als die Mitglieder ihre gesamte Freizeit an den Vereinen verbracht haben.
Das Thema Scheine - vermutlich ist hier der EPP gemeint - würde ich aus dieser Diskussion gerne rauslassen, da das Thema sehr kontrovers diskutiert wird. Fakt ist, dass ich mich als Organisator auf Fahrten im Wildwasser oder an der Küste auf ganz andere Probleme einstellen muss, als nur beim Binsenbummeln - wo vielleicht jemand nach 5 Kilometern lieber abbrechen möchte und dann halt am nächsten Kanuclub/Biergarten/Fähranleger anlandet und "Tschüß" sagt.
Ich finde, dass es noch einige interessante Fahrten im DKV-Programm gibt, wundere mich aber warum bei der Internetausschreibung (Termin eintragen) keine längeren (Frei)Texte möglich sind. Vermutlich scheut man den Aufwand zwischen Web und Print redaktionell tätig werden zu müssen, für die Organisatoren und Teilnehmer hätte das aber deutliche Vorteile.
Gruß,
Christian


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